Arbeitsbücher als ein Hilfsmittel
Gartenarbeit ist nicht zuletzt deshalb ein gutes therapeutisches Mittel, weil viele der hier anzutreffenden Arbeiten entweder vielen der Patienten bereits bekannt sind, beziehungsweise, weil sie relativ einfach zu erlernen sind. Dennoch: ein immer wieder wichtiger Punkt bei der Arbeit mit Patienten ist die Methode, mit der man anleitet. Das Spektrum dabei reicht von der knappen mündlichen Anweisung, bis hin zum Führen des Patienten.
Dabei ist der wichtigste Faktor, der über die einzusetzende Methode entscheidet, natürlich die momentane individuelle Situation des Patienten.
Häufig jedoch fehlt in der Praxis eine Anleitungsmethode, die dem gärtnerndem Patienten sowohl ein möglichst großes Maß an Freiheit gewährt, ihn aber andererseits die Arbeiten in einem sowohl therapeutisch erwünschtem, wie auch gärtnerisch notwendigem, festen Rahmen durchführen läßt.
In der entsprechenden Arbeitssituation wird dann leider immer wieder neu bei jedem Arbeitsschritt eingegriffen. “ So jetzt füllen Sie bitte den Topf”, “ Nun ist es genug” , “Nehmen Sie sich jetzt bitte eine Pflanze” und so weiter.
Diese Vorgehensweise ist oft unbefriedigend. Wenn sich nun zudem noch Probleme ergeben, die sich beispielsweise aus sprachlichen Defiziten herleiten können, ergibt sich sehr schnell eine sehr angestrengte Konstellation.
Als eine in der Praxis oftmals gute Möglichkeit hat sich hier nun der Einsatz von Arbeitsbüchern gezeigt.
Diese Arbeitsbücher zeigen Seite für Seite einen Arbeitsschritt. Dieses sowohl als Fotografie, wie auch in einem kurzem Text. Als Beispiel hier sei die Arbeit der Aussaat genannt: Die einzelnen Arbeitsschritte hierfür sind:
1.Das Material bereitlegen: Blumenerde, Kiste, Sieb, Saatgut, Stift, Etikett
2. Blumenerde feinkrümeln
3.Die Kiste halb mit Erde füllen
4.Kiste an den Rändern leicht andrücken
5.Kiste bis knapp unter dem Rand füllen
6.Oberfläche begradigen
7.Kiste dünn absieben
8.Oberfläche gerade abstreichen
9.Kiste leicht andrücken
10.Saattüte nehmen und Saathinweise durchlesen
11.Saattüte vorsichtig öffnen
12.Eventuell vorhanden Innentüte entnehmen und ebenso öffnen
13.Saatgut gleichmäßig aussäen
14.Bei der Aussaat auf einen gleichmäßigen Abstand achten
15.Saatgut eventuell absieben !!!Achtung bei Lichtkeimern !!!
16.Saatkiste andrücken
17.Etikett beschriften mit : Pflanzenname , Datum
18.Etikett seitlich einstecken
19.Kiste vorsichtig angießen
20.Kiste im Gewächshaus aufstellen
Natürlich lassen sich je nach Art der Patienten die Arbeitsschritte sowohl noch weiter in auflösen, als daß sie auch zusammengefaßt werden können.
Als wichtig bei den Arbeitsbüchern hat sich erwiesen, daß sie einerseits natürlich wasserfest sein müssen – also beispielsweise durch laminierte Seiten, sowie, daß immer nur die Vorderseite bedruckt ist. Dadurch kommt niemand mit zwei Schritten durcheinander. Optimalerweise ist die Bindung der Bücher in der Art durchgeführt, daß zusätzlich ohne Schäden am Buchrücken auch immer nur die eine Seite aufgeschlagen wird. Dieses ermöglicht eine Ringbindung.
Ein weiterer Vorteil der Arbeitsbücher liegt darin, daß hierdurch auch der Therapeut im Garten aktiv werden kann, der nicht über allzugroße gärtnerische Grundkenntnisse verfügt.
Ich setze seit nun etwa einem Jahr immer wieder vereinzelt Gartenbücher als Anleitungsmedium ein und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Besonders positiv war der Einsatz beim Erstellen von Weihnachtsgestecken. Einer Arbeit, die dem Patienten zunächst “scheinbar” bekannt vorkam, deren notwendige exakte Reihung der Arbeiten aber unbekannt war. Hier bildete das Arbeitsbuch einen sehr schönen roten Faden. Hiermit sind zudem in der Gruppe sowohl sehr schnell ersichtlich sehr gute Ergebnisse erzielbar, als daß auch gerade in der Gruppensituation ein ähnlich gleiches Niveau möglich wurde.
Die gärtnerischen Arbeitsbücher gibt es bislang zu folgenden Themen:
1.Die Aussaat
2.Das Pikieren
3.Die Stecklingsvermehrung
4.Das Topfen
5.Weihnachtsgestecke
6. Topfen mit Führung
7. Blumenzwiebeln stecken
Andreas Niepel
Hattingen