Garten der Sinne

Ein Garten für die Frühförderung

In die Frühforderung kommen Familien, deren Säuglinge, Kleinkinder und Vorschulkinder in ihrer Entwicklung auffällig, verzögert, von Behinderung bedroht oder behindert sind. Es ist unsere Aufgabe, die Kinder in ihrer gesamten Entwicklung anzuregen und zu fördern. Dies gelingt nur, wenn wir die Eigenständigkeit des Kindes achten, auf seine Möglichkeiten eingehen und seine Nöte ernst nehmen. Außerdem ist ein enger partnerschaftlicher Kontakt zu den Eltern des Kindes und seinem weiteren sozialen Umfeld nötig.

Unsere vielfältigen therapeutischen Angebote haben wir erweitert durch die Einrichtung eines “Gartens der Sinne”


Ein Garten zur Entfaltung der Sinne
Im “Garten der Sinne” sind verschiedene Stationen aufgebaut. An jeder einzelnen Station werden bestimmte Sinnesbereiche angesprochen, so daß die Kinder in einem strukturierten Rahmen die für ihre Entwicklung grundlegenden Empfindungen entdecken und erleben können.

In dem Garten kann eines der ausgedehntesten Sinnesorgane unseres Körpers, das Tastempfinden, auf Entdeckungsreise gehen. An einer speziell konstruierten Tastwand können verschiedene Oberflächen ertastet werden und durch das Nachfahren bestimmter Wege das Zusammenspiel von Auge und Hand erfahren werden. Um mehr Aufmerksamkeit auf das Fühlen und Entdecken der Hände zu lenken, sind verschiedene Materialien für die Augen unsichtbar in der Tastwand versteckt. Durch das Spüren von Sand, Wiese, Wasser und von den ganz unterschiedlich beschaffenen Steinen der Wasserlandschaft werden Hände, Füße und der ganze Körper immer wieder neu angeregt.

Im Garten gibt es viel zu sehen und zu beobachten. Verschiedene Geräte, unterschiedliche Materialien, Formen und Farben, aber auch Bewegungen regen die visuelle Wahrnehmung an. Die Kinder können mit den Augen dem Verlauf des Wassers folgen oder das sich drehende Windrad beobachten. Durch unsere naturnahe Bepflanzung besuchen uns viele Käfer, Schmetterlinge und Bienen. Sie können von den Kindern entdeckt und angeschaut werden.

Eine Kräuterecke, duftende Sträucher, eine Gartenecke mit Beeren und Tomaten dienen dem Riechen und Schmecken, dem Probieren und Vergleichen. Kräuter entfalten erst ihr volles Aroma, wenn sie zwischen den Fingern zerrieben werden. So erfahren Kinder, daß ähnlich aussehende Kräuter zwischen den Fingern ganz unterschiedliche Düfte entwickeln.

Das Hören erleben die Kinder bewußt, wenn sie mit einem im Windrad eingebauten Mikrophon und einem Kopfhörer den Geräuschen des sich drehenden Windrades lauschen. Außerdem nehmen sie dann die von uns meist ausgeblendeten Geräusche in der Luft wahr, wie zum Beispiel die Bewegung des Windes in den Bäumen, aber auch den Straßenverkehr und die eigene Stimme.

In dem “Garten der Sinne” können die Kinder erfahren, was ihre Handlungen bewirken. Ursache und Wirkung können sie erleben, wenn sie den Wasserlauf verändern, Sand, Wasser und Steine auf vielfältige Weise kombinieren oder die bewegliche Kletterlandschaft immer wieder neu zusammenstellen.

Die Kletterlandschaft, der Kletterbaum, die Vogelnestschaukel und der Kriechtunnel sprechen das kindliche Bewegungsbedürfnis an und fördern den Gleichgewichtssinn und das Körpergefühl. Kinder erschließen sich ihre Umwelt über die Bewegung. Darüberhinaus können über die Bewegung Gefühle ausgedrückt und verarbeitet werden.

So kann durch die Entdeckungsreise im “ Garten der Sinne” jeder einzelne Sinn entwickelt und sensibilisiert werden und mehrere Sinne sich gegenseitig beeinflussen. Gelingt das Zusammenspiel der Sinne, erweitert sich der Empfindungs- und Erfahrungsbereich des Kindes
und gibt ihm Sicherheit und ein gutes Selbstgefühl.


Ein Garten als Therapieraum
Wenn wir kleine Kinder beim Spiel beobachten, sind wir immer wieder erstaunt, wie sie sich an Kleinigkeiten freuen können und wieviel Ausdauer sie dabei entwickeln. Es macht ihnen Spaß, ihre Sinne auszuprobieren und zu üben. Immer wieder können sie dieselbe Handlung durchführen. Den sie üben eine Handlung so lange, bis sie sie beherrschen und suchen dann von sich aus neue Anregungen. Ist ein Entwicklungsschritt gelungen, steigern die Kinder die Schwierigkeiten ihrer Aktivitäten und schaffen sich dadurch neue Anforderungen, die den nächsten Entwicklungsschritt einleiten.

Entwicklungsgefährdeten und behinderten Kindern gelingt dieses selbstbestimmte Lernen nicht. Sie haben Schwierigkeiten, die sie umgebenden Reize als Lern- und Entwicklungsangebote zu nutzen, da sie ihre Welt anders wahrnehmen. Wahrnehmung ist eine sehr komplexe Leistung und bedeutet, etwas über die Sinne zu verstehen. Dazu müssen die Reize der Umgebung richtig aufgenommen werden. In allen drei Stufen kann es zu Störungen kommen. Wenn die Reize nicht richtig aufgenommen werden, bleibt die Welt begrenzt und der Wahrnehmungsradius ist eingeschränkt. Können die aufgenommenen Sinnesreize nicht richtig geordnet und verstanden werden, bleibt vieles in der Alltagswelt der Kinder verwirrend, nicht faßbar und auch angsterregend.

Der “Garten der Sinne” als Therapieraum soll den Kindern zusätzliche sinnliche Erfahrungen anbieten.Er soll die Entwicklung der einzelnen Sinne anregen, damit die Kinder ihre Umwelt klarer wahrnehmen und verstehen können.


Ein Garten als Erlebnisraum
Die natürlichen Bewegungsräume unserer Kinder werden immer mehr eingeengt und begrenzt.

Im “Garten der Sinne” können die verlorengegangenen Bewegungserfahrungen neu belebt werden und der Spielraum der Sinne sich erweitern. Hier ist eine Begegnung mit der Welt durch Berührung möglich, durch Hinhören, Hinschauen, Innehalten und Staunen. Die Kinder sollen Raum und Zeit haben, zu spielen und verschiedenes auszuprobieren. Sie können die Welt neu und anders wahrnehmen. Dies weckt ihre Neugier und Experimentierlust und verstärkt ihre Freude.

Die von uns angebotenen Sinneserfahrungen werden von den Kindern unterschiedlich aufgenommen und genutzt. Das kann manchmal ganz anders aussehen, als wir uns vorgestellt haben. Sie formen unsere Angebote um und erweitern sie. Wir sind gespannt darauf, lassen uns gerne überraschen und einladen zu einer Entdeckungsreise.


Garten der Sinne
ein Projekt von:Eltern und Kind
Frühförderung-Beratung-Begleitung
des Caritasverbandes Freiburg Stadt e. V.
Fritz Geiges Straße 31
79117 Freiburg

in Zusammenarbeit
mit:BAGAGE
Pädagogische Ideenwerkstatt e.V.
Habsburgerstr. 9
79104 Freiburg

Planung und
Bauleitung:Pit Müller
Freier Landschaftsarchitekt
Guntramstr. 38
79106 Freiburg


An diesem Projekt wirkten verschiedene Künstler und Handwerker mit:

Wasserlandschaft:Martin Wiese
Steinmetz- und
Steinbildhauermeister
Wolfenhof
79254 St. Wilhelm

Windrad:Martin Braucks
Leder-Stahl-Design
7 Rue Principale
68600 Weckolsheim