Interkultureller Heilgarten
Ein Projekt des Behandlungszentrums für Folteropfer
Die Idee
Der Impuls für einen „Interkulturellen Heilgarten“, kam aus der therapeutischen Arbeit. In den Therapien hat sich gezeigt, wie vorhandene Erfahrungen mit Natur und Gartenbau und selbstversorgende Tätigkeiten als kraftvolle Ressource wirken. Damit sich diese Ressourcen entfalten können erweitert das Behandlungszentrum sein therapeutisches Angebot um ein gärtnerisch gestütztes, sozialtherapeutisches Projekt. Der Projektansatz verbindet die therapeutische Arbeit mit folter- und kriegstraumatisierten Flüchtlingen mit der Gartentherapie.
Ein Gesundheitsprojekt
Der Garten wird als ein Ort der Heilung erschaffen. Hier sollen die Menschen Wurzeln schlagen können, hier sollen die Energien fließen, die individuelles und kollektives Wachstum fördern, hier sollen die geschundenen Körper und Seelen ein wenig Heilung finden. Bei der gemeinsamen Gartenarbeit und Gestaltung des Projektes wird die Eigeninitiative der TeilnehmerInnen belebt und erlernen die GärtnerInnen Formen gleichberechtigter Kommunikation. Dadurch werden die individuellen Kompetenzen und das Selbstvertrauen gestärkt. So wachsen die TeilnehmerInnen nach und nach zusammen und machen die Erfahrung von gegenseitigem Vertrauen, menschlicher Wärme und eines heilsamen Umgangs miteinander. In diesem Prozess besteht auch die Chance der Wiederbelebung heilender Traditionen aus den unterschiedlichen Kulturen.
Der Projektaufbau
Das Projekt bietet Therapieplätze für ca. 20 – 25 Personen, verschiedener Herkunft, unterschiedlichen Alters und Geschlechts – sowohl Familien als auch Alleinstehende. Der Garten ist jeden Tag offen und soll zu einem Ort der Begegnung werden. D.h. die GärtnerInnen können jederzeit in den Garten, es können Freunde mitgebracht und Besucher empfangen werden. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bekommt ein eigenes Beet, zum persönlichen Bepflanzen und Ernten. Der Garten wird aber gemeinsam bewirtschaftet.
Das Projekt und wird sowohl therapeutisch als auch gärtnerisch betreut und wissenschaftlich begleitet. Das therapeutische Konzept stützt sich auf drei Säulen: Gartentherapie, Sozialtherapie und Integration.
Gartentherapie
Die Arbeit mit der Erde und den Pflanzen ermöglicht den TeilnehmerInnen ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Sie können unterbrochene Fäden wieder aufnehmen, den vertrauten Bezug zur Natur und zur Heimat wieder herstellen.
Das Spezielle am Verfahren der Garten gestützten Therapie ist die Beschäftigung mit den allgemeinen Lebensprozessen, mit Wachstum und Lebendigkeit. Die Arbeit ist eingebettet in den Jahresrhythmus, es wird gesät, gepflanzt und geerntet – alles zu seiner Zeit. Diese vorgegebene äußere Struktur kann zerrütteten Menschen einen Halt geben und helfen, die innere Struktur zu stärken. Die TeilnehmerInnen erleben, dass dem Wechsel von Wachsen, Blühen und Vergehen der Pflanzenwelt eine beständige Wiederkehr und somit eine gewisse Stabilität zugrunde liegt. Im Garten wird die Verbindung zur großen Quelle der Energie, die die Natur bereit hält, wieder spürbar. Das Spüren der Verbundenheit mit den universellen, Leben spendenden Energien unterstützt Heilungsprozesse. In diesem Sinne verfolgt Garten gestützte Therapie einen ressourcenorientierten und salutogenetischen Ansatz.
Sozialtherapie
Der Garten ist auch der interkulturelle und soziale Raum, den es ebenso zu ‚beackern’ gilt. Ziel ist es, die Gruppe der GärtnerInnen als therapeutische Gemeinschaft aufzubauen. Die primäre Aufgabe der therapeutischen Gemeinschaft besteht darin, den Betroffenen dabei zu helfen, wieder ein Gefühl der Sicherheit und Kontrolle im interpersonellen Raum zu erlangen. Die emotionale Bindung und das Gefühl der Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft, werden von großer Bedeutung im Garten sein. Entsprechend geht es darum, eine Entwicklung zu fördern, die sich durch Wärme, Verstehen, Akzeptanz und persönliche Offenheit auszeichnet, und Zuhören und Respekt für Unterschiede fördert. Therapeutische Ziele im Rahmen eines phasenorientierten Behandlungskonzeptes sind an dieser Stelle die Rekonstruktion der Persönlichkeit, die Wiederbelebung interpersoneller Fähigkeiten und die Integration in die neue Gesellschaft. In diesem Sinne wird ein Schwerpunkt auf dem psychosozialen und interpersonellen Lernen liegen. Dabei werden die Ideen, Bedürfnisse, Interessen und die Impulse der TeilnehmerInnen im Mittelpunkt stehen. Auf der Basis der gegenseitigen Hilfe sollen die spontanen und kreativen Kräfte jedes und jeder Einzelnen für die Lebensbewältigung aller TeilnehmerInnen und für die Projektentwicklung genutzt werden.
Integration
Um von der Opferperspektive in die Akteursperspektive zu wechseln muss die Therapie mit der Integration der TeilnehmerInnen einhergehen. So wird den GärtnerInnen im Rahmen der Projektentwicklung die Möglichkeit geboten, ihre Fähigkeiten durch Betriebsbesichtigungen, Praktika und Kurse zu erweitern und sich fortzubilden. Im 2. Jahr sollen Einkommensmöglichkeiten geschaffen werden, z.B. durch den Anbau und die Verarbeitung von Produkten oder durch Angebote von gärtnerisch-handwerklichen Dienstleistungen.
Indem sie etwas zu ihrer eigenen Versorgung beitragen, tun sie etwas gegen das Gefühl der Sinn- und Nutzlosigkeit und für ihre Beachtung und ihr Ansehen in der Gesellschaft. Die Arbeit wird zur Quelle ihres Selbstwertgefühls, was ihnen hilft, sich zu stabilisieren. Dies ist insbesondere für Menschen wichtig, deren Existenzgrundlage zerstört und die vertrieben wurden, und die durch den Flüchtlingsstatus im Exil stark herabgesetzt werden.
Der „Interkulturelle Heilgarten“ als ein offener Raum geschaffen, in dem sich GärtnerInnen, Angehörige, Freunde sowie Nachbarn und UnterstützerInnen treffen können. Es sollen Brücken gebaut werden in die Gesellschaft. So ist vorgesehen, dass sich die GärtnerInnen an den Aktivitäten des lokalen Umfelds beteiligen, und die Menschen aus der näheren Umgebung werden eingeladen, sich in das Projekt zu integrieren.
Politische Dimensionen
Das Behandlungszentrum für Folteropfer ist eine Einrichtung, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte engagiert. Indem das Garten-Projekt den interkulturellen Dialog befördert, trägt es zur Bewusstseinsbildung über Ursachen von weltweiter Flucht und deren Vermeidung bei und versucht damit dem Gedanken der Nachhaltigkeit zu entsprechen. So hoffen wir, dass von dem Projekt auch Impulse für die Vorstellungen und die Vision von einem Einwanderungsland Deutschland ausgehen werden
Die Partner
Das Projekt „Interkultureller Heilgarten“ richtet sich an die Gruppe der traumatisierten Flüchtlinge des Landes Berlin. D.h., andere Einrichtungen in der Stadt, die mit traumatisierten Flüchtlingen arbeiten, haben die Möglichkeit, sich mit Anfragen für ihre KlientInnen an das BZFO zu wenden.
Das Projekt wurde in den Lokalen Agenda 21 Prozeß in Berlin-Mitte eingebettet und hat von hier eine Anschubfinanzierung erhalten. Die Pacht- und die Betriebskosten werden vom Bezirksamt Mitte getragen. Das BMU unterstützt und fördert das Projektziel und ist Ansprechpartner für weitere Entwicklungen. Von der Stiftung Interkultur erhält der Garten eine erste finanzielle Förderung für anfängliche Anschaffungen. Als Sponsor konnte ein Baumpflege-Betrieb gewonnen werden. Die Firma Bauhaus hat mit einer Sachspende geholfen. Eine erste private Spenden ist eingegangen.
Fazit
Das Projekt „Interkultureller Heilgarten“ erweitert das Spektrum der Möglichkeiten in der Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen. Es ist in seinem weiterführenden Ansatz, Interkultureller Garten plus therapeutische Arbeit, bisher einzigartig in Deutschland und als solches ein Modellprojekt.
Das Projekt findet gesellschaftlich große Akzeptanz und liegt voll im Trend. Teilkosten werden bereits übernommen und durch Sachspenden abgedeckt.
Der Garten ist vorhanden. Das Projekt ist inhaltlich und praktisch gut vorbereitet. Die KlientInnen warten bereits.
Was noch gebraucht wird
Es wird eine Institution, bzw. Personen gesucht, die die Personalkosten übernehmen können. Das Projekt ist bisher auf ehrenamtlicher Basis von Frank Merkord und Elisabeth Hauschildt entwickelt und vorbereitet worden. Um das Projekt praktisch und inhaltlich durchzuführen, und um die KlientInnen mit in die Projektentwicklung einbeziehen zu können, muss eine Finanzierung der Personalkosten gefunden werden. Dann kann es sofort losgehen!
Außerdem benötigen wir noch:
• eine Gartenlaube (z.B. ein Muster-Ausstellungshaus), Gartenmöbel und einen 60 m Holzzaun mit Tor
• Spaten, Schaufeln, Scheren, Sägen, Hämmer, Eimer, Schläuche ...
• Hölzer zum Bau von Beeten, Kompostanlage, Kaninchenstall
• nicht zuletzt Saatgut
Kontakt
Dipl.-Soz.Päd. Frank Merkord - Klin. Sozialarbeiter, Psychodramaleiter Sozialtherapeutische Leitung
Dipl. Biologin Elisabeth Hauschildt - Kauffrau, Gartenaktivistin Koordination, gärtn. fachl. Anleitung
Behandlungszentrumfon: 030 303906-47 Die Spendenkontonummer lautet:
für Folteropfer Berlin e.V.fax: 030 30614371 Deutsche Apotheker- und Ärztebank. BLZ 100 906 03
Turmstraße 21, Haus K www.folteropfer.de Stichwort: Interkultureller Heilgarten
10559 Berlin heilgarten@bzfo.de Konto Nr. 020 307 4234