Kleine Gartengeschichte
Klinikgärten, Therapiegärten, Sinnesgärten, Übungsgärten....
Gärten !
Auch jene bei Garten-Therapie.de vorgestellten Spezialgärten sind bei all ihrer besonderen Ausrichtung Eines: Gärten. Die Gestaltung von Gärten bedeutet , neben all den notwendigen Anpassungen und technischen Notwendigkeiten, aber auch etwas zu erschaffen , das als menschliches Kulturgut gilt.
Daher ist es für die Gestaltung eines Gartens ebenso sinnvoll, die Geschichte der Gartenbaukunst zu erforschen.
Kleine Gartengeschichte
Auszug aus : “Der Garten Holthausen” Andreas Niepel, 1999:
Verlag D. Riedelsheimer Paul-Geheeb-Straße 20 64646 Heppenheim
zu bestellen unter: doris.riedelsheimer@web.de
.......Meine Erfahrung war dabei folgende: der einfachste Weg zur Gartengestaltung ist der Umweg über die Gartengeschichte.
Es ist der Blick auf die lange Geschichte der Bemühungen des Menschen, sein Paradies zu schaffen.
Warum und wie haben Menschen vergangener Jahrhunderte und Gesellschaftssysteme ihre Gärten angelegt?
Warum und wie begann der Mensch damit, die Natur nach seinem Willen zu formen?
Worin zeigen sich die unterschiedlichen Vorstellungen gebildet vom Lauf der Geschichte und der Vielfalt der Kulturen.
Als der Mensch vor etwa 10 000 Jahren begann seßhaft zu werden und sich immer intensiver darum bemühte, sein Überleben durch Ackerbau und Viehzucht zu sichern, mußte die ihn umgebende Natur als gewaltig und existentiell bedrohlich erscheinen. Naturkatastrophen, die Mühsal der Nahrungsbeschaffung, die ständige Gefahr ungeschützt Angriffen wilder Tiere oder feindlich gesinnter Artgenossen ausgesetzt zu sein, all das waren vertraute Gefährten.
Doch da war ebenso die Fruchtbarkeit der Erde, der Segen des Wassers, die Wärme der Sonne und vor allem die wachsende Fähigkeit des Menschen, sich diese zu Nutze zu machen. Tiere zu domestizieren und wild wachsende Pflanzen gezielt anzubauen, gehört zu den Errungenschaften der Jungsteinzeit (8000-4000 v. Chr.) Erste Zäune wurden errichtet, wobei die Dornenhecke wohl eine der ältesten Formen ist. Wälle und Mauern umgaben ein Fleckchen Erde, um in ihrem Innern Schutz und Sicherheit zu finden, wie das Wort “Umfrieden” es sehr schön ausdrückt.
Sich die Natur zu Nutze zu machen bedeutete auch, die Natur genauer zu beobachten. In den Mächten dieser Natur vermutete der Jungsteinzeitmensch geheimnisvolle Kräfte, die er zu verehren begann.
Im Ursprung mag der “Heilige Hain” eine besonders eindrucksvolle natürliche Gegebenheit gewesen sein, ähnlich den hochgelegenen Plätzen, auf denen die Hethiter, Meder und Perser ihre Gottheiten verehrten.
In dem Maße, in dem den Erscheinungen der Natur göttliche Eigenschaften zugesprochen wurden entwickelte sich auch eine erkennbare und heute noch teilweise nachvollziehbare Pflanzensymbolik.
Die Wikinger beispielsweise verehrten die Esche Yggdrasil als Weltmutter, an deren Wurzeln beständig eine Schlange nagt. Bis heute lebt die Sage fort, daß Eschenlaub als Mittel gegen Schlangengift hilft.
Den Germanen galt die Eibe als Totenbaum, und wer heute über einen Friedhof geht, muß zugeben, daß auch wir noch Reste dieser Symbolik kennen .
Eine der frühesten Hochkulturen war das Reich der Ägypter, und auch sie kannten die Versinnbildlichung der Natur. Die Myrte war das Symbol des Gottes Ptah, neben Amun und Horus die Hauptgottheit und der Schutzherr der Handwerker und Künstler. Der Lotos symbolisierte den Sonnengott Re.
Mehr noch, für die Ägypter war die Gartengestaltung selbst eine religiöse Handlung.
Der Gartenbaumeister waren der Lage, die unfruchtbare Wüste zu begrünen, ihr vor allem Nahrung abzugewinnen. Damit war er eine hochangesehene Persönlichkeit, die es auf nutzbringende Weise verstand, die Pflanzen der Götter zu pflegen.
Die ägyptischen Gärten entstanden nicht direkt an den Ufern des Nils, sondern etwas oberhalb, um sie vor den jährlichen Hochwassern zu schützen. Daraus ergab sich die Notwendigkeit einer effizienten künstlichen Bewässerung. Mittels Hebelbrunnen wurde das Wasser hinauf in die Gärten geleitet. Dort angekommen mußte das kostbare Naß durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem verteilt werden. Dieses Kanalsystem bedingte eine strenge, formale Gestaltung, welche gleichzeitig dem ästhetischen Empfinden der Ägypter mit ihrem ausgeprägten Formgefühl entgegen kam.
Damit begann die Geschichte der formalen Gartengestaltung.
Weitere Hochkulturen entstanden in Kleinasien: bei den großen Völkern der Sumerer und Assyrer, der Babylonier und Perser.
Die Quellen der Gartenkultur liegen auch hier in naturreligiösen Anschauungen. So gibt es bereits in frühen sumerischen Schriften Hinweise auf heilige Haine. Insbesondere die Zeder, noch heute auf der Flagge des Libanon, galt als Wohnsitz der Götter.
Der größte Unterschied zu Ägypten lag darin, daß die Herrschaftsgebiete dieser Völker keine Wüstengebiete waren. Es waren zumeist fruchtbare Flußlandschaften mit imposanten Bergketten und weiten Wäldern. So gab es auch nicht diese starke Abgrenzung zwischen Garten und Umgebung, wie in den oasenhaften Gärten der Pharaonen.
Große waldreiche Parks, für Jagdzwecke gepflegt, standen am Anfang der Gartengeschichte. Ganze Hügel wurden hierfür abgetragen, Flüsse umgeleitet und Kanäle angelegt. Aus fremden Ländern wurden Pflanzen importiert. Ebenso gab es große Plantagen , welche die Gartenbauer mit Material versorgten. Immer prachtvoller wurden die Gartenanlagen und immer größer auch der Ruf dessen, der diese Gärten schuf. In der Rolle des pflanzenden Königs sahen sich Herrscher wie Sargon oder sein Sohn Sanherib, der Obstbäume und Weinreben aus allen ihm bekannten Ländern importierte.
Was Herrscher wie Darius mit ihren Gärten verband, zeigt sich am deutlichsten an der Bezeichnung, die sie für diese prachtvollen Parks hatten: “Paira-deza”, im eigentlichen Sinne “Garten” oder “Umzäunung” ist der Ursprungsbegriff für das griechische “paradaisos”, das “Paradies”.Durch Ausgrabungen und Überlieferungen sind uns Aussehen und Ausmaß der gigantischen Gärten der Völker Mesopotamiens teilweise bekannt.Häufig findet sich ein zentrales Wasserbecken, von welchem in vier Richtungen Kanäle ausgehen, die den Garten symmetrisch teilen und das Grundgerüst darstellen. Diese Grundform des Achsenkreuzes in der Gartengestaltung findet sich bei fast allen Kulturen wieder.
Eine besondere Form schufen die Babylonier und Assyrrer mit den hängenden Gärten. Es handelte sich dabei um Terassengärten, bepflanzt mit Bäumen und Sträuchern. Am bekanntesten sind noch heutzutage die hängenden Gärten der Semiramis.
Die Griechen bewunderten die Gärten der Ägypter, Assyrer, Babylonier und Perser. Sie waren es, die die hängenden Gärten der Semiramis als eines der sieben Weltwunder einordneten. Gartenanlagen diesen Ausmaßes waren den Griechen bislang unbekannt. Eine Erklärung dafür liegt in ihrer gesellschaftlichen Struktur. Im Gegensatz zu den Reichen der großen, prachtvollen Herrscher Mesopotamiens oder der Pharaonen Ägyptens waren ihre Stadtstaaten vordemokratische, von den Ältesten beherrschte Gemeinwesen, und so fehlte die Triebfeder einer Priester- oder Herrscherkaste.
Erste Änderungen ergaben sich durch das Kennenlernen der oben genannten Gärten, besonders aber durch den Kontakt mit der Kultur Kretas.
Auf Kreta existierte bereits eine Kultur mit einem ausgeprägten Sinn für Gärten. Die sichere und ungestörte Lage Kretas führte, gepaart mit idealen Lebensbedingungen für Pflanzen, zu einem Lebensstil, der sich durch Eleganz und Kultiviertheit auszeichnete und wahrlich paradiesische Gärten hervorbrachte.
Doch die Griechen ahmten Gärten nicht nur nach, sondern sie entwickelten ihren ganz eigenen, neuen Stil.
Diese Gärten sollten die frühesten Volksgärten werden.
In einigen Gärten, den Gymnasien, wurde die Jugend öffentlich unter freiem Himmel unterrichtet. Die Demokraten, die Epikureer oder die Anhänger des Aristoteles, sie alle liebten die Diskussion in den freien Parks. Im Garten des Hekademos (Akademos) lehrte Platon. Dank der Griechen zogen in vermehrtem Maße auch Blumen in die Gärten ein. Rosen, Veilchen und Hyazinthen begannen ihre Gartenkarriere.
Öffentliche Parks wurden auch für Wettkämpfe genutzt. Dem Sieger zu Ehren wurden Statuen errichtet. Somit verdanken wir den Griechen die Verwendung von Statuen und weiteren Elementen der bildenden Kunst in Gärten.
Das Weltreich der Römer brachte wieder andere Entwicklungen für die Gartenkultur.
Der wichtigste Grund für veränderte Ansätze lag erstens in der unterschiedlichen Struktur der Bürgerschaft. Anders als das mächtige Athen oder Sparta hatte Rom zwar auch Stadtstaatcharakter, seine Wurzeln allerdings lagen in der bäuerlichen Gesellschaft. So besaßen fast alle wohlhabenden Römer zusätzlich Landsitze, die natürlich ganz andere landschaftliche Vorraussetzungen und Möglichkeiten boten.
Ein weiterer Punkt war das Wissen der Römer um die Pflanzen und Gärten fast ganz Europas und Vorderasiens.
Wie aber sah er nun aus der römische Garten ?
Er war fest mit der Architektur der Villen verbunden. Er trug das Innere des Hauses nach außen, häufig unterstützt von Kanälen, die beide Elemente miteinander verbanden. Der Garten, obwohl natürlich unter freiem Himmel , war als Erweiterung des Hauses in dessen Innenhof gedacht, fernab vom Getriebe der Straßen.
Dem griechischem Einfluß nach fanden sich überall Statuen und Kunstwerke . Symetrisch aufgebaute ornamentale Beete und Pflanzen aus allen Teilen des Reiches zierten diese intimen Gärten. Als ein besonderes und neues Element wurde der Heckenschnitt eingeführt und geradezu zu einer Kunstform entwickelt.
Ich habe meine Betrachtungen über die Gartenkultur in Ägypten beginnen lassen mit dem Blick auf die damit verbundene Entstehung des formalen Gartentypes, wie er uns allen vertraut ist.
Aber natürlich gab es überall dort, wo Kulturen sich entwickelt hatten auch Gärten. Zum Beispiel in den waldreichen Landschaften Chinas.
Anders als im Wüstenreich Ägyptens oder auch in Europa, wo die Eiszeit deutliche Spuren hinterlassen hatte, war China gesegnet mit einem geradezu paradiesischen Artenreichtum. Die frühen Gärtner chinesischer Kaiser konnten in Überfluß schwelgen und sich in der Gestaltung auf eine lockere Ordnung der natürlichen Gegebenheiten beschränken. Erst als man sich darum bemühte, das vorherrschende Weltbild in der Gestaltgebung der Gärten zu betonen entwickelte sich ein neuer Gartentypus.
Teil dieser Vorstellung waren die “Inseln der Seligen”, die in einem unermeßlich großen See liegen sollten. Etwa 100 v. Chr. sandte Kaiser Wu Ti mehrere wohlausgestattete Expeditionen aus um diese Inseln, die irgendwo in östlicher Richtung liegen sollten, zu finden.
Nach mehreren Mißerfolgen schlug der tatkräftige Kaiser einen anderen Weg ein. Er ließ die “Inseln der Seligen” selbst erstehen....in seinen Gärten. Es entstand der Typus des Seengartens.
Als die chinesische Mauer dem Ansturm der Barbaren aus dem Norden nicht mehr standhielt zogen sich die Menschen in großen Flüchtlingsströmen in die gebirgigen , unwegsamen und kargen Gebiete jenseits des JangtseKiangs zurück. Nichts war mehr wie zuvor und es sollte mehrere Jahrhunderte dauern, bis das chinesische Volk wieder zu sich, seinem Wohlstand und der damit verbundenen Macht zurückfand. Für die Gartengestaltung wichtig : das ästhetische Ideal hatte sich in der Zwischenzeit gewandelt. Nicht mehr die parkreichen Wälder der sanften Ebenen, sondern die bizarre Bergwelt beeindruckten die Künstler, was sich in der Gestaltung von Grotten- und Berggärten spiegelte.
Um das Jahr 607 n. Chr. besuchte ein japanischer Diplomat einen kaiserlichen Garten in China , dessen Umfang mehr als einhundert Kilometer betrug und an dessen Bau über eine Million Arbeiter beschäftigt gewesen sein sollten. Er stellte wahrlich einen Kosmos insich dar, einen Garten Eden, gefüllt mit Seen und Inseln, Bergen und Grotten, angeordnet nach den Grundideen, die sein Erbauer von der Welt hatte, von der Welt, wie sie idealerweise sein sollte.
Zurück am japanischen Hof muß dieser Gesandte mit seinen Berichten vom Prunk der chinesischen Gärten maßloses Erstaunen ausgelöst haben.
Jedoch, Japan hatte als Insel ganz andere landschaftliche Voraussetzungen als China mit seiner riesigen Landmasse. Fast die ganze Insel war bewaldet. Vulkanische Berge und Erosionsformen , Wasserfälle
und Flüsse charakterisieren das Reich Nippons. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit haben Pflanzen hier die allerbesten Wachstumsbedingungen. Sommer und Winter sind mild, eine einmalige und vielfältige Vegetation konnte sich auf dieser Insel entfalten. Die große Verehrung, die die Japaner seit alters her der sie umgebenden Landschaft entgegengebracht haben , findet sich bis heute in ihren Gärten wieder.
Die einzelne Pflanze, der Stein oder der Wasserlauf werden als elementare Bestandteile der Natur herausgestellt. In einem japanischen Garten wird der Versuch unternommen, die Seele der Dinge zu erkennen und darzustellen, so daß der Garten ein Ort für die Verehrung der verschiedenen Daseinsformen wird.
Zurück nach Europa.
Den stärksten Einfluß auf die Entwicklung der mittelalterlichen Gartenkultur hatten die Mauren. Dieses muslimische Volk arabischer und berberischer Herkunft, das sich für fast 800 Jahre in großen Teilen der iberischen Halbinsel niederließ, bis es 1492 vertrieben wurde, brachte dem Land eine blühende Gartenkultur. Die Mauren kamen als ein Wüstenvolk. Das für ihre Augen überschwengliche Grün, welches sie hier vorfanden, der Luxus eines Landes mit einemr für sie ungeheuren Reichtum an Flüssen und Seen, muß ihnen märchenhaft erschienen sein. So erschufen sie in ihren Gärten ihre Variante des vorgefundenen Paradieses, und daß Wasser darin eine Hauptrolle spielt, verwundert nicht .
Die Überreste der maurischen Gärten sind noch heute in Granada zu bewundern. Es sind vor allem die Wasserspiele, welche Gartengestalter über Jahrhunderte hinweg inspiriert haben.
Die Gartengestaltung wandelte sich mit dem Einzug der Renaissance.
Die Grundidee von der Harmonie, die Überzeugung vom Zusammenhang der Dinge, von der Ausgewogenheit des Einzelnen, welches ein harmonisches Ganzes bildet, beflügelte.
Der Garten sollte nun auf den Menschen ausgerichtet, für ihn überschaubar sein; zusätzlich wurden aber auch die Perspektiven erweitert, die Grenzen gesprengt.
Zunächst wurde der Garten geordnet. Keine Pflanze bekam einen zufälligen Platz, die bekannten Elemente wurden nach künstlerischen Gesichtspunkten organisiert. Der Garten selbst wurde für die übersichtliche Betrachtung von oben gerne an einem Hang angelegt.
Darüberhinaus sollte das Auge auf vorgeschriebenen Wegen, aus dem Garten hinauswandern können.
Nachdem dieser neue Gartenstil sich zunächst in Florenz und in Mailand, den Zentren der feinen Künste, etabliert hatte, vergab um 1500 Papst Julius II. den Auftrag zur Umgestaltung des päpstlichen Belvedere an Donato Bramante. Bramante hatte keine leichte Aufgabe. Er mußte das eher kleine Belvedere mit dem Vatikan verbinden, ohne daß ersteres architektonisch untergeordnet erscheinen durfte. Und der Höhenunterschied zwischen den Gebäuden bereitete ein weiteres Problem. Er löste beide mittels der großartigen Gestaltung von Treppen und Balustraden so vorzüglich, daß in der Gartengestaltung von nun an der Höhenunterschied geradezu gesucht wurde.
Überall entstanden in der Folge “italienische Gärten”. Die schönsten und vielleicht typischsten Vertreter dieser Gartenform findet man natürlich in Italien. Es sind dieses die Villa d`Este in Tivoli und der Garten der Villa Lante in Bagnaia. Gartenarchitekt der Villa d`Este war Pirro Ligorio, der um 1560 mit den Bauarbeiten begann. Ligorio hat das Areal, welches zur Villa hin ansteigt, durch fünf Terrassen geordnet. Ein weiteres Merkmal dieses Gartens ist mal wieder das Achsenkreuz. Entlang der zum Anwesen führenden Mittelachsen sind dabei Grotten und Wasserspiele aneinandergereiht, während an der Seitenachse die Fischteiche liegen. Überhaupt ist eines der Markenzeichen dieses Gartens der kunstvolle Umgang mit Wasser. Eine Wasserorgel, Quellen, Brunnen und Fontänen begeisterten damals wie heute.
Der vielleicht perfekteste,am besten die Ambitionen der Erbauer verdeutlichende Garten der Renaissance ist wohl der der Villa Lante. Es ist kein großer Garten, sollte er doch dem Geist der Renaissance folgend durch das menschliche Maß geprägt sein.
Sein Zentrum bildet ein kreisförmiger Brunnen, welcher durch vier Wasserbecken ergänzt wird, so daß sich ein zentrales Quadrat und wiederum ein Achsenkreuz ergibt. Diese beiden geometrischen Muster ergeben auch das Gerüst für das gesamte Hauptparterre, welches durch geschnittene ornamentale Kleinhecken strukturiert ist. Die Bepflanzung der Beete bestand zur damaligen Zeit hauptsächlich aus Rosen, Hyazinthen, Stiefmütterchen und Primeln .
Im Grunde aber spielten die Blumen, wie in allen Renaissancegärten eine untergeordnete Rolle. Wichtiger erschien den Erbauern die Verwendung von Hecken und Bäumen. Dabei galt ihre besondere Vorliebe den Zypressen als Verkörperung des Senkrechten und den Kiefern als das Gegenstück , der Waagerechten.
Mit der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung zum Absolutismus hin wandelte sich das Kunstverständnis und somit auch die Art der Gartengestaltung.
Immer stärker wurde es Aufgabe der Kunst, die Macht und die Pracht der Herrscher zu dokumentieren beziehungsweise darzustellen.
So ist auch der Garten des Barock als Höhepunkt dieser Entwicklung fest verknüpft mit einer Person, Ludwig XIV., dem Sonnenkönig ( 1661 - 1715). Und es ist eine glückliche Fügung, daß das Schicksal ihn und einen wahrhaft großen Künstler, André Le Notre zusammengeführt hat.
Er wurde 1613 geboren . Sein Vater Jean le Notre war einer der Hofgärtner der Tuilerien. Dieser Park, ursprünglich in italienischer Tradition entstanden, wurde ständig weiterentwickelt, das heißt den gesellschaftlichen Veränderungen angepaßt, so daß die Grundzüge der kommenden französischen Gärten bereits sehr früh in ihm zu erkennen waren. Die Tuilerien galten in den Kindertagen des André le Notre als der grandioseste Park in ganz Europa. Dort verbrachte er seine Jugend. Schon früh offenbarte sich sein hervorragendes gestalterisches Talent, und es dauerte nicht lange bis der damalige Finanzminister Nicolas Foquet auf ihn aufmerksam wurde.
Foquet engagierte Le Notre für die Gartengestaltung seines neuen Schlosses in Vaux le Vicomte. Unterstützt wurde das projekt von Foquets Freund Charles le Brun und, das sollte nicht unerwähnt bleiben, 18000 Arbeitern. In Vaux le Vicomte entstand durch Le Notre eine gigantische Gartenwelt. Höfe wurden umgesiedelt und Flüsse umgeleitet.
Im August 1661 inszenierte Foquet die Eröffnung seines neuen Anwesens.
Wenige Tage später wurde er auf Geheiß des Königs festgenommen, er sollte seinen Garten nie wieder sehen. Die Kunstwerke wurden abgetragen und sogar viele Bäume wurden wieder ausgegraben. Le Notre und Le Brun aber standen von nun an im Dienste des Königs und wurden damit beauftragt, einen königlichen Park zu erstellen.
Es wurde ein Park, der die ganze kommende Gartenepoche prägen sollte und der noch heute als das Gartenwunder schlechthin gilt. Versailles!
Was Le Notre schuf, war die Darstellung der Staatsidee Ludwigs XIV. Das Schloß des Königs steht im Mittelpunkt, alle Achsen laufen wie die Strahlen der Sonne hier zusammen. Von diesem Punkt ziehen sich die Gartenlinien und Sichtachsen kilometerlang, für den Betrachter ins Unendliche. Nicht mehr die Übersichtlichkeit der Gärten des italienischen Baustils war gefragt, sondern das Grenzenlose. Während die italienischen Gärten wie ein Bild gestaltet sind, in das man sich lange hineinsehen kann, so ist die neue Gartenform aufgebaut wie ein Musikstück, welches durch seinen Verlauf und seine Komposition wirkt. Ludwig XIV. selbst hat einen Gartenführer für Versailles hinterlassen, in dem er genaue Anleitungen gibt, auf welchen Wegen und in welcher Reihenfolge der Park zu besichtigen ist.
Bei den adligen Besuchern des französischen Königs machte diese absolute Macht, auch über die Natur, einen solchen Eindruck, daß überall in Europa Gärten dieses neuen Stils entstanden, die sogenannten “Französischen Gärten”.
“Der Garten ist einfach, und man fühlt gleich bei dem Eintritte, daß nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sondern ein fühlendes Herz den Plan gezeichnet hat, das seiner selbst hier genießen wollte.”
läßt Goethe seinen Werther sagen und charakterisiert damit die Gartenentwicklung des 18. Jahrhunderts.
In England waren es Addison und vor allem Pope, deren die Natur verherrlichende Dichtungen einen erheblichen Einfluß auf die Gartengestaltung hatten mit ihrer Vorstellung einer vollkommenden Landschaft. In der Malerei gab es ähnliche Veränderungen. Bezeichnenderweise war es denn auch der Künstler William Kent, dessen Entwürfe von großzügigen sogenannten Landschaftsgärten wegweisend wurden.
William Kent war vor allem durch seine Reisen nach Italien geprägt. Er versuchte seine Eindrücke von den weichen Formen der italienischen Ebenen in England nachzubauen. Mit den Augen des Malers setzte er klassizistische Tempel an das Ende von Sichtachsen, große unregelmäßig geformte Seen und geschwungene Gartenwege ersetzten Fontänen und geradliniege Prachtalleen.
Stourhead in Wiltshire angelegt von Henry Hoare noch heute zu besichtigen, ist ein sehr typisches Beispiel dieser Epoche.
Der berühmte Gärtner Lancelot Brown hatte einen ganz besonderen Blick für die landschaftsgestalterischen Möglichkeiten, welche ein Areal bot, was ihm aufgrund dieser Fähigkeit den Beinamen “Capability” Brown einbrachte.
In der Wahl seiner Mittel war er nicht zimperlich. Er überflutete Täler, beseitigte große ehrwürdige Alleen und ließ kunstvolle Blumenparterre verschwinden zugunsten weitläufiger Rasenflächen. Keiner verstand es Sichtachsen so harmonisch in die Landschaft zu setzen wie er. Seine Gärten, allesamt exakt geplant und angelegt, verschmelzen derart mit der Natur, daß heute kaum noch zu erkennen ist, ob sich ein Garten oder eine gepflegte Landschaft vor dem Betrachter erstreckt.
Dieser neue Gartenstil breitete sich im Laufe des Jahrhunderts in ganz Europa aus. Beeindruckende Beispiele hierfür sind auch das sogenannte Wörlitzer Gartenreich in der Nähe von Dessau sowie der Park des Fürsten Pückler in Muskau
Das 19. Jahrhundert brachte zwei einschneidende Entwicklungen mit sich. Zum einem war es der immer stärker werdende Einfluß der Gärten des Fernen Ostens, zum anderen die rapide wachsenden Pflanzenimporte aus fernen Ländern. Es war die Zeit der sogenannten Exoten, die man versuchte heimisch werden zu lassen. Dieses Bemühen wurde erleichtert durch die Weiterentwicklung des Gewächshausbaus . So konnte 1850 in Chatsworth ein Gewächshaus gebaut werden, dessen hauptsächlicher Zweck es war, die Wasserpflanze Victoria regia zu pflegen. Es gelang sogar diese hier in Europa erblühen zu lassen, eine Sensation.
Zur Jahrhundertwende hin besann man sich dann auf das Altbewährte. Formale Elemente in der Pflanzung wie auch der Gartenarchitektur fanden wieder ihren Platz in den europäischen Gärten, besonders denen des Großbürgertums.
In unserem Jahrhundert wurden die Gärten überschaubarer in ihren Ausmaßen und individueller in ihrer Gestaltung. Die Fülle von in- und ausländischen Stauden und Gehölzen wurde kunstvoll und kenntnisreich arrangiert. Die vielseitigen zur Verfügung stehenden Farben und Formen regten zu immer variierenden Gestaltungsmöglichkeiten an.
Meisterwerke dieser eher individuellen Gartenrichtung entstanden 1907 durch Lawrence Johnston in Hidcote Manor, ab 1930 durch Vita Sackville-West in Sissinghurst und 1904 durch Gertrude Jekyll in Hestercombe. Gerade letztere ist wohl bis heute unerreicht bei der kunstvollen Verwendung von Stauden.
Die Geschichte der Gärten ist, wie wir gesehen haben, eingebettet in die Gesamtzusammenhänge gesellschaftlicher Entwicklung.
Und genauso ist es auch heute. Unsere gärtnerischen Leistungen, ob groß oder klein, sind ein Teil unserer Epoche, eng verknüpft mit unserem Empfinden und allem Geschehen um uns herum.
Die Gartengestaltung spiegelt wie kein anderes Kulturerbe das Verhältnis des Menschen zu seiner Natur, der Natur als Idealbild wie der Natur als Werkstoff.......
Quellen:
Virgilio Vercelloni
European Gardens - an historical atlas
Rizzoli International Publications INC,
New York 1990
Jürgen Strassel
Englische Gärten des 20. Jahrhunderts
Du Mont Verlag Köln 1991
Gärten
Miles Hadfield
Mundus Verlag Essen 1987
Die Gärten der Gertrude Jekyll
Richard Bisgrove
Ulmer Verlag
Klassischer Gartenschmuck
George Plumtre
Christian Verlag
Gestaltete Natur
Ehrfried Böhm
Steinbock Verlag
Wilhelm Boeck
Alte Gartenkunst - Eine Kulturgeschichte
in Beispielen
Staakmann Verlag Leipzig, 1939