Gartenbau – Auffangbecken für behinderte Menschen?
Wilhelm Hasken
Ausbildungsleiter Münster
1.Klärung des Begriffs „behinderte Menschen“
2. Entwicklung der (Fach-)Werker Ausbildung in Westfalen-Lippe von 1975 – 2002
3.Anzahl der „Fachwerker“ im Bereich der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe in den letzten Jahren
4.Überlegungen und Möglichkeiten der Beschäftigung sowie zur Anzahl der Werker in den verschiedenen Fachrichtungen des Gartenbaues
ZVG-Generalsekretär Dr. Siegfried Scholz
Betrachtet man die Ausbildungszahlen für Gartenbau-Fachwerker, so muss man den Eindruck gewinnen, dass der Gartenbau tatsächlich Auffangbecken für behinderte Menschen ist. 11,1 %, das sind 3.400 von 30.500 behinderten Menschen, die in einer Ausbildung stehen, werden als Gartenbauwerker angelernt. All diese Menschen sollten auch einen dauerhaften Arbeitsplatz im Gartenbau finden. Dies ist eine Zahl, die schlicht und einfach viel zu hoch ist.
Wir beobachten mit großer Sorge, dass sich in der Ausbildung zum Gartenbau-Werker zunehmend Menschen befinden, die hier gar nicht hier hin gehören.
• Lernbehinderte Menschen landen in dieser Ausbildung, die mit entsprechender Unterstützung eine normale Ausbildung durchlaufen und so eine höhere Qualifizierung erwerben könnten.
• Ausländerkinder landen in dieser Ausbildung, die lediglich Sprachschwierigkeiten haben.
• Es werden Menschen zu Werkern ausgebildet, die Defizite im Sozialverhalten aufweisen, aber gar nicht behindert sind.
• In all diesen Fällen scheint es lediglich die schnelle und bequeme Lösung zu sein, die Menschen in die Werkerausbildung hineinzuberaten.
Dies führt zu einem viel zu hohen Angebot an weniger qualifizierten Arbeitskräften, für die keine ausreichende Zahl an Arbeitsplätzen im Gartenbau vorhanden ist.
Viele dieser Menschen stehen nach der Ausbildung auf der Straße und mit ihnen vielfach diejenigen, für die die Werkerausbildung im Gartenbau ursprünglich einmal eingerichtet wurde.
Tobias Bormann – Jaider Integrationsbetrieb des psychosozialen Trägervereins, Solingen
Integrationbetriebe sind Firmen, die im sogenannten 1. Arbeitsmarkt sind. Die Mitarbeiter/innen werden Teil- und Vollzeit zu regulären tariflichen Bedingungen beschäftigt (hier BAT/MTL). Integrationsbetriebe beschäftigen zu einem hohen Anteil Menschen mit Behinderungen (hier Menschen mit psychischen Behinderungen) mindesten 25 %.
Integrationsformen erwirtschaften den größten Teil ihrer Kosten am Markt (Faustformel: Durchschnittlich 70 % Erträge, 30 % Zuschüsse aufgrund der Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung) (hier 85 % Erträge in 2001).
Aus den vorangegangenen Ausführungen ergibt sich, dass Integrationsbetriebe in hohem Maß auf flexible, leistungsbereite und leistungsstarke Mitarbeiter/innen angewiesen sind. Das unterscheidet sie nicht von anderen Dienstleistungs- und Handwerksunternehmen. Es bedeutet gleichzeitig, dass die Mitarbeiter/innen nach ihren Fähigkeiten ausgewählt werden und nicht einen Arbeitsplatz erhalten, weil sie behindert sind.
Warum sind viele Integfrationsbetriebe im Gartenbau bzw. in der Dienstleistung tätig? Nach unseren Erfahrungen ist der Gartenbau ein Unternehmensbereich, der sich nach wie vor einer großen Nachfrage erfreut. Wenn man als Unternehmer eine qualitativ hochwertige Leistung anbieten kann, besteht die Möglichkeit, in diesem Bereich nach wie vor Zuwachsraten zu verzeichnen. Für die Art unseres Unternehmens stellt sich daher die Frage des Auffangbeckens nicht. Darüber hinaus sprechen wir auch über die Integration von Menschen in unsere (Arbeits-)Gesellschaft.- Da stelle ich mir schon die Frage, wie ist es möglich, eine Begrenzung, bzw. die Idee einer Begrenzung in einem oder mehreren Unternehmensfeldern für eine bestimmte Gruppe Menschen einzuführen. Wie würden wir es finden, wenn man z. B. die Frage stellen würde: Industriemontage – Auffangbecken für unterqualifizierte Frauen oder Männer? Es lassen sich hier noch viel heiklere Fragen entwickeln. Also, was fällt uns ein, eine solche Frage in den Raum zu stellen?
Wilfried Hautop
Werkstatt für behinderte Menschen
In der Bundesrepublik gibt es mehr als 600 Hauptwerkstätten (und 950 Zweigwerkstätten) mit etwa 200.000 Plätzen. Viele dieser Einrichtungen sind bereits in einem Qualitätsmanagementsystem gem. DIN ISO=9001/2000 für die Produktion und Rehabilitation zertifiziert. Werkstätten haben somit eine anerkannte doppelte Kundenorientierung. Einerseits die Menschen mit Behinderungen als Mitarbeiter/innen und andererseits die verschiedenen Auftraggeber oder Endverbraucher als Kunden der Lohnfertigungs-, Auftrags- und Dienstleistungsangebote.
Aufgabe der Werkstätten ist die Eingliederung in das Arbeitsleben für Menschen, die wegen Art und Schwere ihrer Behinderung nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können. Werkstätten sollen berufliche Bildung, Beschäftigung und angemessenes Entgelt bietet und die Leistungsfähigkeit erhalten, entwickeln, erhöhen, die Persönlichkeit weiter entwickeln und den Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt fördern.