Gartentherapie in der neurologischen Rehabilitation

Der folgende Ausschnitt stellt eine Zusammenfassung eines Vortrages von Dr. Roger Schmidt anlässlich der Veranstaltung “Gartentherapie- Therapiegarten” der Gartenakademie Baden-Würtemberg dar

Den kompletten Beitrag inklusive aller Folien, sowie weitere Beiträge dieser Veranstaltung werden Ihnen zum kostenpflichtigen Download unter der WebSite der gartenakademie www.gartenakademie.info unter der Rubrik PUBLIKATIONEN zur Verfügung gestellt.





Dr. Roger Schmidt

Die „Gartentherapie“ in der neurologischen Rehabilitationsbehandlung.
Dank der guten Kooperation können Patienten der Kliniken Schmieder, einem neurologischen Fach- und Rehabilitationskrankenhaus, seit 1993 ein spezielles Behandlungsangebot nutzen: die Gartentherapie auf der Insel Mainau. Unter Anleitung von Gärtnern der Insel und Therapeuten der Kliniken beteiligen sich die Patienten in Rahmen eines individuell abgestimmten Behandlungsplans an allen geeigneten Arbeiten. Eine besondere Gestaltung des Gartens und seiner Einrichtungen ermöglicht auch die Teilnahme von Patienten mit schweren Behinderungen.


Folie zur neurologischen Rehabilitation

















Auch wer nur wenig vom Gärtnern versteht, weiß sofort, was daran gesundheitlich gut tut. Pflanzen zu pflegen, öffnet einen direkten Zugang zur Natur, die nicht nur durch Befühlen und mit dem Auge, sondern auch über Duft und Geschmack unmittelbar erlebbar wird. Sonnenschein und Regen, Hitze und Kälte werden wieder erlebt. Die Gartenarbeit lässt den Körper (wieder) spürbar werden, das gärtnerische Gestalten verleiht der eigenen Persönlichkeit Ausdruck. Das Miterleben von Werden und Vergehen und von Ruhe und Aktivität im Ablauf der Jahreszeiten macht den Weg für Erfahrungen frei, die persönliche Entwicklung und Sinnfindung fördern können. Regelmäßige Arbeit im Garten verbessert die körperliche Verfassung mit positiven Wirkungen auf Herz und Kreislauf, Stoffwechsel und den allgemeinen körperlichen Trainingszustand. Missbefindlichkeiten und Schmerzen können verschwinden und Ängste ebenso, und die Stimmung bessert sich.


Folie zu Therapiezielen


























Der Zusammenhang zwischen sinnlicher Naturerfahrung und körperlich-seelischem Wohlbefinden ist gerade auch unter einem medizinischen Blickwinkel von Interesse. Kommen zum Gärtnern zielgerichtete therapeutische Maßnahmen hinzu, ergibt sich über diese unspezifischen Wirkungen hinaus ein ganzes Spektrum von differenzierten Behandlungsmöglichkeiten – wobei das wesentliche Merkmal darin besteht, dass die eigentlichen therapeutischen Maßnahmen eingebettet in die gärtnerische Aktivität erfolgen. Die Behandlung erfolgt also wie beiläufig, während in erster Linie etwas getan wird, was für sich selbst genommen sinnvoll ist und Spaß macht. Gerade bei Menschen, die längere Zeit und schwer krank sind und viele Behandlungen hinter sich haben, ist allein das schon ein großer Vorteil.


Folie zu Effekten





























Gartentherapie in der Neurologie lässt sich damit als interdisziplinäre Behandlungsform beschreiben, die ärztliche, ergotherapeutische und gärtnerische Maßnahmen erfordert und miteinander verbindet.

Die unmittelbar therapeutischen Zielsetzungen umfassen ein besonders breites Spektrum – kann eine Schädigung des Gehirns doch vielfältige Beeinträchtigungen auf allen Ebenen menschlichen Seins mit sich bringen, vom Spüren und Bewegen über das Fühlen, Denken und Sprechen bis hin zu den sozialen Fertigkeiten. Trainiert werden nicht nur Feinmotorik und Sensibilität, Standfestigkeit und Gleichgewicht, sondern auch der koordinierte Einsatz vorhandener Funktionen in komplexeren Situationen und die Fähigkeit zum strukturierten Planen und Handeln. Auch Motivation, Kreativität, Zielstrebigkeit, Verlässlichkeit, Fürsorge und Übernahme von Verantwortung lassen sich in der Arbeit mit Pflanzen entwickeln und üben. In der Gruppe und in der Begegnung mit den Besuchern des Gartens können schließlich Selbstsicherheit und soziale Kompetenz geübt und verbessert werden.




Zur Person
Dr. med. Roger Schmidt
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
Facharzt für Psychotherapeutische Medizin
Sozialwesen, Rehabilitationsmedizin

Leitender Arzt Bereich Psychotherapie
Ärztliche Leitung Kliniken Schmieder Konstanz


• Vor Eintritt in die Kliniken Schmieder (1993) Mitarbeiter der Klinik und Poliklinik für Neurologie und    Psychiatrie der Universität zu Köln, zuletzt Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie

• Mitglied im Vorstand des Lurija-Institutes für Rehabilitationswissenschaften und Gesundheitsforschung an der    Universität Konstanz

• Seit SS 1998 Lehrauftrag an der Universität Konstanz, Sozialwissenschaftliche Fakultät, Fachgruppe    Psychologie: Psychologie in der Neurologie

• Dozent und Lehrtherapeut im Weiterbildungskreis Psychotherapie Konstanz (WPK) und im    Weiterbildungsverbund Konstanz Reichenau (Schwerpunkte: Neurologische Psychosomatik, Paar- und    Familientherapie)

• Wissenschaftliche Interessen: Seit 1982 klinische Forschung und Veröffentlichungen zur Borrelieninfektion    des Nervensystems. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. R. Ackermann und Dr. rer. nat. B. Rehse-Küpper Träger    des Hugo-Schottmüller-Preises 1985 der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Weitere Arbeitsbereiche    aus der Kölner Zeit: Suizidalität im Alter; Spannungskopfschmerz und Migräne - Persönlichkeit,    Psychodynamik, Familiendynamik; Schmerz und Familie; Psychopathologie und Hirntumor; Pathologisches    Glücksspiel; Psychische Krankheit bei Ärzten und anderen helfenden Berufen. An den Kliniken Schmieder    Durchführung eines Forschungsprojektes im Rahmen des Rehabilitationswissenschaftlichen    Forschungsverbundes Ulm zum Thema „Depressive Störungen nach Schlaganfall“ (Förderkennzeichen BMBF:    01 GD 9821/3) - eine offene, prospektive Längsschnittstudie an Patienten nach Schlaganfall mit depressiven    Störungen, die Auskunft über den Einfluss der psychischen Störungen auf den Rehabilitationsverlauf geben    soll.

• Der übergreifende Interessenschwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Anwendbarkeit ressourcen-    orientierter, integriert neuropsychiatrischer, neuropsychologischer und psychotherapeutischer (Kurz-)    Verfahren in dem stationären Setting einer neurologischen (Rehabilitations)Klinik. Von den behandelten    Krankheitsbildern her liegt ein Schwerpunkt auf den Störungen, die sich im Grenz- und    Überschneidungsbereich zwischen organischer Schädigung des ZNS und funktioneller psychischer oder    psychosomatischer Störung manifestieren.